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„Von allen Kulturen das Beste”
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Vivian Borsani hat eine äußerst eigenwillige Art zu malen. Ihre Bilder entstehen in der Hocke, auf dem Boden sitzend, manchmal liegend oder mit gespreizten Beinen über das neue Bild gebückt. „Das ist für mich wie Yoga, wenn ich da rumturne”, sagt sie. Borsani hat zwar einen deutschen Pass, versteht sich aber als Europäerin. Kein Wunder, denn die 36-jährige Malerin hatte ein bewegtes Leben, bis sie vor drei Jahren mit ihrer Familie nach Mallorca zog. In Brasilien kommt sie zur Welt und verbringt dort die ersten fünf Jahre ihres Lebens. Die Familie – der Vater ist Kaufmann – zieht aus beruflichen Gründen nach Deutschland zurück, nach Hamburg. Von dort aus geht es drei Jahre später nach Frankreich, fünf Jahre später wiederum retour nach Hamburg. Mit 17 zieht sie allein nach Paris zurück und bleibt dort. Hier studiert Borsani zunächst Grafik und später an der staatlichen Schule für Kunsthandwerk. Die junge Frau spezialisiert sich auf Textildesign, nicht weil es ihre Leidenschaft ist, sondern weil der Vater mahnt, wenn überhaupt Kunst, dann ist in diesem Bereich wenigstens Geld zu verdienen. In meiner Familie gab es immer diese zwei Seiten , die künstlerische und die kaufmännische, so Borsani. Doch das Studium erweist sich nicht als Erfüllung. „Vor allem das Weben und Bedrucken von Stoffen, hat mir keinen Spaß gemacht. Meine Sache ist nun einmal die Malerei. Damit habe ich Erfolg.“Ihre Reise durch Europa geht weiter. Sie arbeitet im Italienischen Como und bekommt ein Stipendium für einen dreimonatigen Studienaufenthalt in Venedig, im Peggy Guggenheim Museum. Die Renaissance-Stadt prägt sie nachhaltig Bis heute spielen Elemente der byzantinischen Kunst wie Fenster und Torbögen, Kachelmuster und verspielte gußeiserne Ornamente eine wichtige Rolle in ihren Bildern. „ Das habe ich alles aufgenommen und das hat mir alles etwas gegeben. Es hast etwas in mir geweckt.“ Bis heute liegen Borsani mehr die runden Formen und vollen Farben. Ihr Mann Luca ist Italiener, mit den Kindern Alicia (9) und Damae (7), benannt nach einem Bild von Gustav Klimt, spricht das Paar Deutsch und Spanisch, untereinander aber Französisch. „Das Thema Nationalitäten, habe ich hinter mir, sagt sie. Ich denke, unsere Familie ist ein gutes Beispiel für die europäische Idee. Wir suchen uns das Beste aus allen Kulturen heraus“. Seit drei Jahren lebt die Familie fest auf Mallorca, in Portals Nous. Die Insel war die ideale Lösung um endlich sesshaft zu werden. Ihre Eltern leben seit vielen Jahren hier. Borsani kam seit ihrem zwölften Lebensjahr her, verbrachte die Ferien, arbeitete als Windsurf-,Wasserski- und Fallschirmspringerlehrerin. „Auf Mallorca bin ich zu Hause, schon allein, weil ich früher ständig umziehen musste und eigentlich nirgendwo so richtige Heimatgefühle hatte. Nur die Insel war immer ein konstanter Mittelpunkt“. Die Malerin Vivian Borsani steht erst am Anfang ihrer künstlerischen Laufbahn. Einen entscheidenden Impuls bekam sie 1995, als sie die Galeristin Hella Maria Höfer kennenlernte. „Sie hat einfach mal ein Bild von mir in ihrer Galerie aufgehängt und wollte sehen was passiert.“ Das Bild fand schnell Kaufinteressenten und bald hingen neue Werke der Künstlerin in der Galerie. 1999 hatte sie ihre erste Kollektivausstellung mit zwei weiteren Künstlerinnen, vergangenes Jahr folgte eine weitere in Palma. Erfolg, der sie selbst überrascht. „Mein Hauptberuf war in den letzten Jahren Mutter.“Wie sie es geschafft hat, sich trotz der Kinder und Haushalt, den notwendigen Freiraum zum Malen zu schaffen ? In dem ich regelmäßig die Tür zugeknallt habe und sagte “Jetzt will ich drei Stunden nur für mich haben.“ Dann hörte sie Musik von Tschaikowsky, Sting oder Annie Lennox – nicht unbedingt immer in Zimmerlautstärke.Borsani malt, weil die Kunst Ordnung in ihr Leben bringt. Das merken die Leute, auch in ihren Bildern.“ Ich provoziere nicht, male nicht irgendetwas noch nicht dagewesenes oder stelle die Welt auf den Kopf. Meine Bilder strahlen vor allem Wohlbefinden und Harmonie aus. Das ist auch das was ich selber suche“. Es gehe ihr um alltägliche Themen, Häuser, Blumen, Obstschalen – das was sie wahrnehmen, das, was harmonisch aussehe. Bevor Borsani ein Motiv auf die Leinwand überträgt, skizziert sie es mit Kreide, seltener fotografiert sie es. Auf der Leinwand arbeitet sie mit Acrylfarbe –„weil sie schneller trocknet“. Meistens grundiert sie das Tuch mit einem orangeroten Erdton. Nicht nur dadurch ist ihre Farbpalette eher dunkel. Manchmal so wie auf ihrem Lieblingsbild in der Küche, finden sich auch hell pastellige Töne. Mitunter akzentuiert sie ihre Bilder mit Goldblatt. Das fertige Bild überstreicht sie mit Klarlack. “Dadurch bekommen die Motive mehr Tiefe. Borsani verehrt eine Malerin besonders – die amerikanische Impressionistin -Marie Casatt. Inspiriert fühlt sie sich außerdem von Künstlern wie Wasilli Kandinsky, Emil Nolde, Franz Marc oder August Macke. Obwohl ihr die deutschen Expressionisten am Herzen liegen, sind ihre eigenen Bilder eher impressionistisch .“ Das ist mein Stil, dass bin einfach ich. Ich will keinem bestimmten Stil angehören“.
JAHRESÜBERSICHT
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